Der Instagram-Crash

Viele von euch haben meine ganz persönliche Geschichte bestimmt bereits auf Instagram mitverfolgt, doch ich finde, sie gehört auch hier her. Um einen Neustart zu feiern und die Vergangenheit zu respektieren, denn nur sie hat mich bis hierher gebracht:

THIS IS MY STORY – Als unser altes Instagram-Profil geschlossen wurde, gab es da gerade so eine Story in der ich euch freudestrahlend mitgeteilt habe, dass es schon sehr bald, sehr gute Nachrichten für dreisechzig geben wird. Da das ganze noch nicht zu 100% in Sack und Tüten war, konnte ich euch aber noch nichts genaues erzählen. Auf Grund der Dinge, die in den letzten 2 Tagen geschehen sind, werde ich euch jetzt aber dennoch mitnehmen

Viele von euch wissen, dass ich Designerin mit Leib und Seele bin. Beruflich hatte ich alles, was ich immer haben wollte: Einen Designjob bei einer sehr bekannten Marke. Ich wurde dort geschätzt und war stolz auf das, was ich dort tat. Meine Kollegen waren mehr als Kollegen für mich, ich durfte viel Reisen und eines meiner Projekte gewann sogar den German Design Award. 

Jedoch war ich immer weg, immer unterwegs, der Stress für mich war enorm, auch wenn ich es vielleicht gar nicht so mitbekam da Mittendrin. Vor allem auch emotional, denn ich war ständig getrennt von meinem Partner, meiner Familie, meinen Freunden – meinem Lebensmittelpunkt. Nach 4 wunderschönen Jahren dort wurde ich krank. Chronische Schmerzen plagten mich und entrissen mir mein komplettes Gefühl für mich Selbst. Ich beschloss, dass es Zeit war, nach Hause zu gehen. Eine der schwersten Entscheidungen, die ich je im Leben treffen musste, aber sie tat mir unendlich gut, auch wenn es lange dauerte. 

Die Kreativität in mir ließ sich aber dadurch nicht stoppen, der Drang danach war zu groß, aber ich brauchte Zeit. Zeit, in der ich mich neu entwickeln konnte und neue Perspektiven für mich selber finden würde. Wer war ich als Designerin? Ich beschloss meinen Masterabschluss zu machen. Hier in Thüringen. Eine gute Entscheidung, denn sie verschaffte mir Zeit, auch wenn das bedeutete: Back to Basic – Ich lebte nun wieder von BAfög und musste mich, mit fast 30, noch einmal komplett reduzieren.

Jedoch war mein Weg danach klar – er lag so klar vor mir, ich wusste aber auch: Es würde verdammt viel Arbeit bedeuten. In meinem Studium gründete ich dreisechzig, ein kleines Bekleidungslabel. Ich versuchte zahlreiche Dinge, mal hier mal da, um einen Weg für mich zu finden, davon leben zu können und andere mit meinen Ideen zu inspirieren.

Deshalb nahm ich nach dem Abschluss keine Festeinstellung als Designerin an, obwohl es Angebote gab. Stattdessen jobbte ich beim Bäcker als Verkäuferin um weiter Zeit für meinen Traum zu haben. Im Dezember letzten Jahres dann ein kleiner Erfolg: Kurz vor Weihnachten stellte ich privat erstmals ein paar Stirnbänder online. In gut einer Woche verkaufte ich 40 Stück und ich war mega happy. 

Von da an ging es ständig bergauf und die Varianten wuchsen. Mit ihnen auch die Nachfrage. Der größte Erfolg kam Mitte Februar, als die liebe @storyaboutlaura die Bänder auf ihrem Account vorstellte. Daraufhin brach das wunderbare Chaos los. Mädels, ihr habt mich ganz schön geschafft! Aber auf so eine unglaublich tolle Art und Weise!!!

Jeden Tag verschickte ich eure Bestellungen und nähte wie ein Weltmeister. Die Doppelbelastung mit meinem Bäckerjob wurde dabei aber zur echten Herausforderung. Das alles unter einen Hut zu bekommen war verdammt schwer, aber ich fand eine Verbündete: Theresa, die Schwester meines Partners, nähte mit mir Stirnbänder um die Wette und hielt mit mir zusammen den Kontakt zu euch. Ich bin ihr unendlich dankbar dafür, sie an meiner Seite zu haben, denn da, wo ich manchmal erstarre, weil einfach mal wieder alles zu viel ist, bringt sie mich zurück. 
Seit Dezember konnten wir die Umsätze jeden Monat verdoppeln, das hieß aber auch, dass sich das Arbeitspensum ebenfalls jeden Monat verdoppelte. Eine Lösung musste her und die kam auch: Es gäbe eine Möglichkeit durch eine Gründerförderung noch ein wenig Unterstützung zu bekommen, mit dem Ziel in einem halben Jahr komplett davon Leben zu können. Gesagt getan: Da lag mein Weg vor mir und ich war meinem Traum so nahe. 

Ich kündigte beim Bäcker – Da sind wir im hier und jetzt angelangt und bei den Ereignissen der letzten Tage. Genau an meinem letzten Arbeitstag wurde unser alter Account geschlossen. Eine Anmeldung war nicht mehr möglich. Die Mailadresse nicht erreichbar. Ich denke, das Profil ist noch da, ich komme nur leider nicht mehr an es heran. Da lag sie vor mir, die kleine großartige Community, die sich in den letzten Monaten entwickelt hatte. Und doch so fern.

 Das Schlimme? Instagram war unser größtes Marketingwerkzeug. Durch den Account wurdet ihr auf unsere Produkte aufmerksam und konntet euch anschließend in Ruhe durch den Shop klicken. Gut 90% der Verkäufe habe ich euch Instagram Nutzern zu verdanken. Ich habe lange überlegt, ob ich dies so ehrlich an dieser Stelle preisgebe, aber ich bin euch dafür unendlich dankbar und mega Stolz auf euch, deshalb hoffe ich einfach, dass ihr mich auch weiterhin unterstützt 

Das Schließen des alten Accounts bedeutet nun für mich ein 90%er Umsatzausfall. Auf gut Deutsch: Ich stehe bei NULL, nur dass ich meine sichere Einkommensquelle gekündigt habe. Naja fast bei NULL, denn ich durfte auch soviel Hilfe und Zuspruch in den letzten Tagen erfahren, alle die den Weg wieder hier hergefunden haben. Alle, die unseren neuen Account auf Ihren Profil oder in den Stories geteilt haben, alle neuen Gesichter: Glaubt mir, ihr liegt uns genau so sehr am Herzen wie wir euch  
Was nun die Zukunft bringt? Meinen Plan werde ich weiterhin durchziehen. Gerade sitze ich mitten am Bussinessplan – ja auch das muss gemacht werden. Wann es soweit sein wird, das weiß ich noch nicht genau, aber ihr werdet es als erste erfahren, nun da ich euch und meinem kleinen Traum meine ganze Aufmerksamkeit widmen kann. Ich will nicht jammern, sondern nach vorn schauen, denn nur so haben wir hier Spaß gemeinsam und eine schöne Zeit.

Liebste Grüße,

Constanze

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.